Welche Auswirkungen hat Cloud Technologie auf die Art
und Weise, wie IT-Services erbracht werden?
Die Cloud Technologie ist grundsätzlich
nicht neu. Die Art und Weise wie aber heute IT-Services mit Hilfe von Cloud
Technologien erbracht werden, revolutioniert die Nutzung und Bereitstellung von
IT Lösungen. Die Cloud Technologie macht
die aktuell stark diskutierte industrielle Digitalisierung erst möglich.
Unternehmen brauchen keine millionenschweren Investitionen mehr, um die
modernsten Technologien nutzen zu können und die Vernetzung ist global und rund um die Uhr frei
verfügbar. Dadurch wird die Welt zum Dorf, welches für alle Menschen offen
steht.
Was bedeutet das für das Unternehmen?
Für Unternehmen ist diese Veränderung eine gewaltige
Herausforderung. Einerseits bieten sich enorme Chancen, neue Geschäftsmodelle
digital abzubilden. Die Cloud Technologie
ermöglicht es Unternehmen ohne grosse Projektinvestitionen schnell neue
Services aufzuschalten und zu nutzen. Die Budgets werden von Capex zu Opex
verschoben. Und so schnell wie ein Cloud Service aufgeschaltet wird, so schnell
wird man ihn bei richtiger Vorbereitung und Kontrolle auch wieder los.
Andererseits bergen die neuen Technologien
auch grosse Risiken. Die Kontrolle der Daten und damit die Einhaltung von
Geschäftsgeheimnissen ist gefährdet oder gar unmöglich, wenn nicht die
notwendigen Governance-Strukturen aufgebaut und durchgesetzt werden. Zudem weiss man nie mit Gewissheit, was mit
den Daten geschieht, wenn man den Cloud Provider wechselt.
Was bedeutet das für die interne IT-Organisation?
Traditionelle IT-Organisationen können mit
dem Cloud-Angebot auf dem Markt nicht mehr mithalten. Mehr und mehr werden
eigene IT-Leistungen durch Cloud Lösungen abgelöst, sodass innerhalb der
internen IT-Organisation immer weniger mehr selbst betrieben wird. Die Rolle
der internen IT wird immer stärker hinterfragt.
Hier liegt aber auch die grosse Chance für
interne IT-Organisationen. Sie bilden die Service-Integrationsfunktion zwischen
den Business-Einheiten und den verschiedenen Cloud-Service Anbietern. Sie stellen die Einhaltung der
Sicherheitsvorgaben sicher, steuern die Lieferanten und koordinieren
Anforderungen und Störungsfälle zwischen den beteiligten Cloud Providern. Es
sind in Zukunft ganz spezifische Skills gefragt: Professionelle Cloud Service
Manager mit Erfahrung im Lieferantenmanagement und einer ausgeprägten Kunden-
und Service-Fokussierung. Reine Techies werden es in Zukunft schwer haben bei
Unternehmen. Sie müssen wohl zu den Providern wechseln.Eine gute und auf das Business abgestützte Governance-Struktur ist unerlässlich. Es braucht klare Rollen und Verantwortlichkeiten zwischen Business, interner IT sowie den externen Service Providern. Zur Unterstützung zum Aufbau dieser Governance-Strukturen braucht es keine wesentlich neuen Best Practice Frameworks. COBIT und ITIL bilden nach wie vor die Basis Instrumente, welche die Grundlagen dazu liefern. Was sich immer mehr nun durchsetzt ist das SIAM-Modell: Service Integration and Management. Dieser Ansatz geht implizit auf das Multiprovider-Management ein und stellt die Servicequalität auf der gesamten Service-Lieferkette – oder auf dem gesamten Service Liefernetzwerk sicher. Der heute noch oft gewählte Best-of-Breed Sourcing-Ansatz mag für eine spezifische Sitution überzeugen – aber in der gesamten Service-Landschaft braucht es nun klar definierte Integrations-Standards für die Prozesse, das Tooling und das Reporting.
Was ist daher bei Cloudverträgen zu beachten?
Bei Commodity-Cloud-Anbieter (Public cloud)
wird es schwierig sein, auf deren Verträge Einfluss zu nehmen. Es liegt ja
gerade in der Natur solcher Services, dass diese für eine breite Masse ohne
individuelle Anpassungen zu Tiefstpreisen angeboten werden können. Bei
Private-Cloud-Lösungen ist der Einfluss entsprechend grösser – andererseits
sind diese jedoch oft teurer und nicht gleich flexibel einsetz- und austauschbar.
Es ist wichtig, dass die interne
IT-Organisation verbindliche Standards für externe Cloud-Service Provider
definiert, welche eine Integration mit anderen internen oder externen
Service-Komponenten zulässt. Es sollten nur solche Cloud-Service Anbieter
berücksichtigt werden, welche diesen Standards genügen.
Wenn business-kritische Services betroffen
sind, ist es ratsam, dass der Provider eine Verpflichtung zur Durchführung von
Audits (ISAE3402, ISAE3000) eingeht und allenfalls eine Zertifizierung ihres
Management Systems vorweisen kann (ISO/IEC 20000, ISO/IEC 27001). Aber auch
hier gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
In die Verträge gehören klare Leistungsvereinbarungen
sowie Rollen und Verantwortlichkeiten auf beiden Seiten. Es ist wichtig, dass auch im Vertrag die
Service-Transition (Integration) sowie der Service-Exit definiert und die
Verpflichtungen hinsichtlich Daten und Löschung geklärt sind.
Was sind die 3 wichtigsten Trends für den Einsatz von
Cloud in der Unternehmens-IT?
Cloud Computing ist zwar eine alte
Technologie – trotzdem haben sich die Standards noch nicht überall
durchgesetzt. Die Interoperabilität und Portabilität zwischen Cloud Anbietern
bleibt eine Herausforderung und bilden die Gefahr eines Vendor Lock-in’s. Im
Bereich Security, Identity- und Access-Management bestehen heute jedoch sehr
gute Technologien und Methoden, welche die Sicherheit mancher interner
IT-Lösungen bei weitem in den Schatten stellen. Berater und Integratoren haben
derzeit alle Hände voll zu tun.
Trends sind vor allem im Cloud Ökosystem
ersichtlich. Es gibt viele neue Player auf dem Markt, welche als Broker und Integratoren auftreten
und die Abwicklung und Steuerung der komplexen Verflechtung als Geschäftsmodell
erkannt haben. Der Cloud Marktplatz verändert sich ständig und ununterbrochen
werden neue und innovative Lösungen angeboten. Ein eindeutiger Trend ist auch
dahingehend sichtbar, dass immer mehr SaaS-Lösungen von Unternehmen in Anspruch
genommen werden und dies auch vermehrt in Kernprozessen.
Wer sich und seine IT-Organisation noch
nicht auf die neue Realität ausgerichtet hat, wird wo möglich bald auf dem
falschen Fuss erwischt.
Martin Andenmatten spricht in seinem Vortrag auf dem 4. Confare SWISS CIO SUMMIT über Cloud Governance und Service Management. Die Veranstaltung bringt Erfolgsbeispiele aus Unternehmen wie
RUAG, Sulzer, Emmi Schweiz AG, Raiffeisen Software, Mobiliar Versicherung,
Universität St. Gallen uvm. Ein umfassendes Konferenzprogramm macht das Swiss
CIO SUMMIT zum wichtigsten IT-Treffpunkt 2016. Das aktuelle Programm finden Sie
hier: www.ciosummit.ch
Im Rahmen des CIO
Networking Dinners werden die besten IT-Manager der Schweiz mit dem Swiss CIO AWARD ausgezeichnet, den
Confare gemeinsam mit EY und der Universität St. Gallen verleiht.Die Teilnahme für IT-Manager ist kostenfrei. Die stürmischen Veränderungen des Marktes sind eine Herausforderung – aber auch eine Riesenchance. Nutzen Sie die Erfahrungen einer exklusiven CIO Community.















