Donnerstag, 19. August 2010

Die Krise ist vorbei – was bleibt ist die Krise

Seit 2007, als der Subprime Markt in Amerika seine drohenden Schatten auf die Bankenwelt warf, kommen wir aus der Krisenstimmung nicht mehr richtig raus. Für viele österreichische Unternehmen war vor allem 2009 ein Jahr der Zäsur und des Existenzkampfes. Die aktuellen Pressemeldungen klingen schon deutlich entspannter. Haben wir es also tatsächlich überstanden?

2009 hat sich die Finanzkrise auch in Österreich in eine handfeste Krise der Realwirtschaft verwandelt. Das BIP ist in Österreich um reale 3,9% gesunken. So ein starkes Minus gab es zuletzt 1945. Damit lag Österreich deutlich besser, als zum Beispiel Deutschland und Italien – Österreichs wichtigsten Handelspartnern.
Es gab es um 14% mehr Insolvenzen in Österreich als die Jahre davor. 2010 sollen es um nochmal 10% mehr Unternehmen sein, die Aufgrund schlechter Auftragslage, nicht einbringbarer Ausstände, oder auch nur wegen fehlender Finanzierung aufgeben müssen. Dennoch: die Konjunktur stabilisiert sich und die großen Österreichischen Unternehmen geben wieder Gewinnmeldungen aus. Die staatlichen Hilfestellungen und kurzfristigen Förderungen haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Was bleibt ist ein Schuldenberg, Katerstimmung und eine Menge an unterschiedlich spitzen Damoklesschwertern über unseren Köpfen.

Rationalisierung bringt‘s
Die Rekordumsätze der Hochkonjunktur-Jahre 2007 und 2008 haben trotz drohender Wolken dazu geführt, dass viele Unternehmen sich unkontrolliert aufgeblasen haben. Überkapazitäten wurden geschaffen, Bilanzen schön gerechnet und an der Börse spekuliert. Die Interessen der Share Holder waren Grundlage von Managemententscheidungen, die im krassen Gegensatz zu einer nachhaltigen Geschäftsentwicklung stehen. Internationale Bilanzierungsstandards haben da mehr verschleiert als aufgedeckt und die Ratingagenturen hatten eine große Macht, die sie sich gut bezahlen ließen.
Als dann die Krise – und damit eine Auftragseinbruch von bis 80% - kam, war es an der Zeit all diese Missstände zu bereinigen. Wann sonst kann ein renommiertes Unternehmen es sich schon leisten, 1.000 Mitarbeiter zu entlassen, Förderungen abzuholen und die Börsenkapitalisierung zu verringern? Die Unternehmen gingen daran ihr Rationalisierungsreserven zu ziehen und da war noch so viel Spiel, dass die Gewinnsituation jetzt bei steigender Auftragslage überraschen positiv ausfällt.




Gudrun Fischer-Colbrie – Chefberaterin bei Confare – analysiert die optimistische Stimmung in den Unternehmen: „Kunden sind in Krisenzeiten loyaler, Mitarbeiter alarmierter und motivierter, ganze Organisationen sind eher bereit, mehr Einsatz zu leisten, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen respektive den Aufschwung zu schaffen. Wichtig dabei sind allerdings schnelle Erfolge, rasch sicht- und spürbare Ergebnisse. Dabei geht es zunächst nicht einmal nur um Umsatzsteigerung, sondern um Verbesserungen in der organisatorischen Effizienz.“

Krise ausgestanden?
Die weiter steigenden Insolvenzzahlen auch im privaten Bereich, Staatschulden sowie Staatsbankrote inklusive Inflations- und Deflationsszenarien zeigen, dass die unruhigen Zeiten noch lange nicht vorbei sind.

Mag. Markus Oman, Geschäftsführer und Gründer der O.P.P. Beratung und profunder Experte zum Thema Unternehmenssteuerung findet klare Worte, auf die Frage, ob die Krise überstanden ist: „Nein! Vor allem nicht für alle Branchen und nicht für jene Gesellschaften die es nicht schaffen mit Ihrer verfügbaren Liquidität (also inklusive Ihrer Linien) Ihr Geschäft bis mindestens Sommer/Herbst 2011 zu finanzieren.“
Gerade das Thema Liquidität kann Unternehmen auch jetzt noch den Hals brechen. Zahlungsverzüge von säumigen Kunden waren vor kurzem noch kein Thema. Bei der Bank saßen die Euro locker. Jetzt aber wird der Geldhahn schnell zugedreht. Die Banken begründen das mit höherem Risiko und den strengeren Eigenkapitalvorschriften. In Härtefällen wird so auch schon mal einem an sich vielversprechenden Unternehmen die Basis genommen. Basel III bringt wahrscheinlich auch keine Entspannung.

Eine Phase der Unstabilität
Die wirtschaftliche Volatilität wird uns wohl erhalten bleiben. Im nächsten Jahrzehnt stehen uns viele Themen von globaler Bedeutung ins Haus, von der Klimaveränderung bis zur Vergreisung Europas, ganz zu schweigen von Umverteilungsthemen und Währungskrisen, so dass wir uns an ein bisschen Krisenstimmung gewöhnen sollten. Kein Wunder, dass die Unternehmen der Unsicherheit entgegenwirken wollen und auf nachhaltige Strategien setzen. Wachstum – koste es was es wolle – kann nicht mehr das einzige Ziel von Unternehmen sein. Das müssen nun auch die Top-Manager einsehen, die immer stärker für die Folgen ihres Handelns zur Verantwortung gezogen werden.


Michael Eisler ist CEO des Startup Unternehmens WAPPWOLF.Com, das in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Lage gegründet wird. Er kommentiert die Situation: „Die Krise hat uns eine Flexibilisierung in Europa beschert, die uns Schwankungen aussetzt, die auch in Zukunft zur Normalität gehören werden. Der Markt wird danach verlangen und sich darauf eintakten. Die Unternehmen werden sich speziell in Europa – wo keine Großserien mehr produziert werden können langfristig auf Grund der Lohnniveaus auf völlig neue Wege der Kooperationen begeben müssen, um diesen Schwankungen entgegnen zu können – saisonale Kooperationen, Personal-sharing usw. Und Spezialisierung bzw. Fokussierung wird eine große Rolle spielen, sodass man sich rund um seine Kernkompetenzen strategische Partner sucht, die einen ergänzen und abrunden.“

Social Corporate Responsibility
Neben der Nachhaltigkeit wird die soziale Verantwortung von Unternehmen gegenüber Mitarbeitern, Partnern bzw. der gesamten Gesellschaft. Immerhin waren es diesmal nicht die Politiker die uns an den Rand einer globalen Katastrophe gebracht haben. Paradoxer Weise wird gerade jetzt von Unternehmen richtig Geld in die Hand genommen für Themen die in Zeiten der Hochkonjunktur niemanden interessieren. Ob es sich dabei um ernstgemeintes Engagement oder um mehr oder weniger wirksame PR und Werbekampagnen handelt, wird sich zeigen, wenn es wieder darum geht Auslastungsspitzen zu meistern.


Erfolgsrezepte
Die Folgen dieser Krise werden uns sicher noch länger beschäftigen. Aber: „Für all jene die haushalten gelernt haben – oder dies immer schon konnten – stehen die Chancen gut. Besonders für die smarten Unternehmenssteuerer. Denn wer mit einem Vorsprung aus der Krise kommt, das heißt im Q1/2 2011 deutlich vor seinem Mitbewerber ist, vor allem hinsichtlich Ergebnisses, hat einen Vorsprung den die Anderen nicht so schnell aufholen können. Dies deswegen da sich alle sowohl effizienzmäßig wie auch mit der Finanzierung am Limit bewegen und daher ein „Überholen“ aus eigener Kraft unwahrscheinlich ist.“ , sagt Markus Oman
Kleine Unternehmen können sich auf einmal mit geschrumpften Riesen messen und sie sogar in manchen Bereichen überflügeln. Wenn sie es geschafft haben sich nicht in eine Rabattspirale zu manövrieren, haben diese Organisationen nun die Möglichkeit, erbrachte Zusatz-Leistungen auch in Rechnung zu stellen und Forderungen durchzusetzen.
Große Unternehmen wiederum haben sich in der Krise wiedermal ordentlich ‚durch geputzt‘. Jeder Mitarbeiter leistet seinen Beitrag zur Steigerung der Effizienz, mündend in Lean Management, Lean Production usw. Kundenbindung wird forciert. Eine hohe Fertigungstiefe wird auf einmal Wettbewerbsvorteil: Mehr Prozesse, deren Effizienz steigerbar ist, mehr reale Leistung, für die der Kunde auch bereit ist zu zahlen.


Risikos
Vordergründig sind es natürlich die Kosten, die jedes Unternehmen im Griff haben muss. Es gibt aber auch andere Risiken, die sich vor allem mittelfristig verheerend auswirken können. Gudrun Fischer-Colbrie ortet zum Beispiel Defizite in einem der Tugenden, die Europa und Österreich immer für sich beansprucht haben: „Was bei all der Rationalisierung und Prozessorientierung auf der Strecke geblieben ist, ist Innovation, Forschung und Produktentwicklung. Hier wurden die Budgets durchwegs dramatisch gekürzt. Der ROI bzw. das Risiko der jeweiligen Investition waren einfach zu lange bzw. zu hoch, die Dynamik des Marktes oft nicht einschätzbar.“ Das fällt dann wohl unter zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben.

Dienstag, 10. August 2010

Digitales Managen - Mein Beitrag zur Blogparade

Mit der rasanten Verbreitung der Sozialen Netzwerke geht eine vielschichtige Diskussion ihrer Auswirkungen auf die private und geschäftliche Kommunikation einher. „Experten“ schießen wie Pilze aus dem Boden und erstellen Verhaltensregeln oder erzählen, wie man via Social Media große Geschäfte macht.
Dabei kann man noch kaum über „den richtigen Weg“ sprechen Web 2.0 zu nutzen. Dem Einzelnen und den Unternehmen stehen neue Kommunikationskanäle zur Verfügung, die sie individuell nutzen. Dabei passiert ein kollektiver Lern- und Gestaltungsprozess. Man lernt mit Privacy genauso umzugehen, wie mit Spam und „Reputation“.
Die Herausforderungen für Gesellschaft, Unternehmen und Einzelpersonen dabei sind mannigfaltig. Wie ist das Individuum zu schützen, wenn die Community immer recht hat? Während Information immer rascher und zielgerichteter Verbreitet wird, gibt es nun wirklich Menschen, die von diesem Informationsfluss drastisch ausgeschlossen sind. Mangelnde Technik und Bildung werden noch schwerwiegendere Chancenungleichheit verursachen, wenn sich immer mehr Aspekte unseres Lebens im Web abspielen. Wer den Zugang zu Communities nicht findet, dem bleibt wesentliche Information vorenthalten. Welche Auswirkungen bringt diese Verhärtung des „Digital Divide“? Wie können Minderheiten geschützt werden?
Während im Berufsleben Digital Natives einen Wettbewerbsvorteil gegenüber jenen erlangen, die Social Media als Zeitverschwendung betrachten, und hier eine Art Generationenkonflikt im Entstehen ist, nutzen diejenigen, deren Karriere bereits abgeschlossen ist, in der Rente durchaus massiv die Möglichkeiten der Social Networks und des Web 2.0.
Auf eigenen Plattformen wie senior.kom aber auch zum Beispiel in Facebook erweisen sich die Pensionäre als aktive Nutzer und nutzen die neuen Möglichkeiten für Freizeitgestaltung und Meinungsaustausch und sind damit mehr am Puls der Zeit, als es für ihre Vorgängergenerationen überhaupt möglich war.
Der Lernprozess ist im vollen Gange. Die Vorteile des Web 2.0 haben wirken sich in der Arbeitswelt konkret aus. Via Social Media finde ich leichter die richtigen Ansprechpartner für mein Geschäft. Ich kann innerhalb kurzer Zeit persönliche und geschäftliche Schnittstellen zu anderen Personen wahrnehmen. So wird Cross-Selling und Up-Selling in einer neuen Dimension möglich und zwar zum Nutzen von Anbieter und Abnehmer.
Die Möglichkeiten sind so groß, dass das Web 2.0 eine massive Bedrohung sein kann, für all jene, die sich nicht mit den Auswirkungen auf das eigene Geschäft befassen. So wie die Musikindustrie vom mp3 Siegeszug überrascht war (und das passende Geschäftsmodell aus einer anderen Branche hereingetragen wurde und einen neuen Player im Spiel groß gemacht hat), oder Amazon den Buchhandel in Bedrängnis gebracht hat. Web 2.0 bedeutet daher für jeden Unternehmer, sein Geschäftsmodell zu prüfen und aktuell zu halten, sonst kann es schnell überholt sein.

Blogparade Digitales Managen