Mittwoch, 13. Juli 2016

Führungskraft sein, bei Abflachung der Hierachien, flexibler Arbeitszeiten und Home Office

Führungskraft zu sein, in einer modernen Arbeitswelt - bestimmt von jeder Menge Rechtsvorschriften, modernen Kommunikationstools, verschiedenen Formen des Arbeitsverhältnisses, Home-Office, Desksharing usw. usw., da bedarf es einer offenen und klar erkennbaren Unternehmenskultur und viel Selbstvertrauen.

Nina Wiesinger ist erfahrener Führungskräfte Coach und verrät einfache Übungen zur Selbsteinschätzung von Führungskräften und welcher Eigenschaften es Bedarf um eine moderne Führungskraft zu sein.
Du betreust seit Jahren Führungskräfte und Teams. Was ist Deiner Meinung nach die größte Herausforderung der Führung in der modernen Arbeitswelt?
Der Fokus wird meist aus den Augen verloren und selten klar definiert und kommuniziert. Es wird viel Geld in die externe Kommunikation investiert, aber die wichtigste, die interne und persönliche Kommunikation oft aus den Augen verloren. Die Führungskräfte und Mitarbeiter sind aufgrund der mobilen Arbeitsplätze und Vertrauensarbeitszeiten nicht mehr so präsent, sichtbar und greifbar. Die Flut an Mails hat extrem zugenommen. Viele wollen damit zeigen, dass sie ohnehin fleißig sind und wahrgenommen werden. Definieren Sie klar als Führungskraft was für Sie und das Unternehmen wichtig ist. Weg von der Überadministration – hin zu den Kunden. Es bringt nichts lange über den Angler zu sprechen wenn es doch eigentlich um den Wurm geht der dem Fisch schmecken soll.

Wie schaut es mit der Selbsteinschätzung der eigenen Führungskompetenzen aus?
Sich selbst-zu-schätzen ist sehr essentiell für eine Führungskraft und auch sich seinen Tendenzen bewusst zu sein. Viele verwechseln das oft mit dem Selbstbild und Fremdbild. Jeder kann nur wahrnehmen was auch in ihm ist. Rückmeldungen von Mitarbeitern sind eine Möglichkeit einer ständigen Verbesserung und Veränderung. Man ist selbst, wie das Unternehmen, in einem ständigen Prozess. Sich zu trauen bringt Vertrauen mit sich. Es hat mit der Theorie des Ganzen zu tun. Mehrere Wahrnehmungen haben ihre Gültigkeit.

Gibt es Kardinalfehler, die viele Führungskräfte machen?
„Realität ist eine Illusion aber eine sehr hartnäckige!“ wie schon Albert Einstein gesagt hat.
Jeder Mitarbeiter im Unternehmen ist einzigartig. Jeder hat einen unverwechselbaren Fingerabdruck, Genetik und seine eigene Realität. Es gibt keine allgemeingültige Realität und Wahrheit. Worauf sich der Einzelne konzentriert sieht er auch. Wenn Sie beim Bundesheer waren, haben Sie zu dieser Zeit sicher viele Bundesheerwägen und Uniformen gesehen. Fokussieren Sie Ihre Mitarbeiter darauf was sie wahrnehmen sollen, dann tun sie das auch.

Wie kann die eigne Führungskompetenz aufgebaut werden?
Die Formen des Weltbildes sind dem unserer Eltern sehr ähnlich. Sobald sie etwas oder jemanden führen liegt es in ihrer Verantwortung was sie wie interpretieren und welche wechselwirkendenden Einwirkungen es hat. Nur sie selbst können sich verändern um im Unternehmen oder im Umfeld etwas zu verändern. Nehmen Sie sich Zeit für sich um zu reflektieren, Situationen zu hinterfragen und von unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Bringen Sie begleitet die Verhinderer einer Zielerreichung auf Papier oder ein systemisches Brett. Glück ist kein Ziel sondern eine Verfassung des Geistes wie schon Aristoteles gesagt hat. Erreichen Sie Ihre persönlichen und beruflichen Ziele nicht, müssen sie etwas verändern. Wäre Handlung der Vorname, wäre Veränderung der Nachname.

Bei immer flacheren Hierarchien ist das Verhältnis Vorgesetzter zu Mitarbeiter sehr flexibel, ja kann sich sogar drehen. Erschwert das die Rollenfindung oder vereinfacht es die Arbeit?
Ab 12 Mitarbeitern braucht es immer eine klare Struktur. Schon die Tafelrunde mit den zwölf Aposteln stellt das bildhaft dar. Wichtig ist einen fixen Rahmen zu haben sowie klare Arbeitsaufteilungen und Rollendefinitionen. Die Klarheit der Unternehmenskultur inklusive der Fehler- und Lösungskultur ist zu definieren. Das Unternehmen ist eine Bühne, die Führungskraft der Regisseur und Hauptdarsteller. Die anderen Rollen sind klar und verständlich, wie bei einem Skript zu definieren. Erreicht das Stück die Zuseher, die Kunden, mit der Emotion die sie vermitteln wollen, ist der AHA- und WOW- Effekt vorprogrammiert. Wenn jeder Einzelne seine Leistung bringt, ist das Team und das ganze Unternehmen erfolgreich.


Aber geht das nicht an der Realität in den Unternehmen vorbei, wo der Lead in Projektteams z.B. in den Projektphasen zu anderen Personen wandert?
Zwei Aspekte sind separat voneinander zu betrachten. Ein großes Projekt wo Mitarbeiter ausschließlich für dieses Projekt abgestellt sind oder ein Team welches zu ihrer täglichen Arbeit ein kleineres Zusatzprojekt bekommt.
Ein eigenständiges Projektteam ist ein in sich geschlossenes System. Es erfordert eine eigene Projektstruktur: einen Projektleiter und Experten in den jeweiligen Bereichen. Je nach Größe des Projektes sind Bereichsleiter und zuarbeitende Mitarbeiter dort angesiedelt oder die Projektmitarbeiter sind gleichzeitig auch die Umsetzer. Oft wird der Fehler gemacht, dass die Projektorganisation vor dem Projektbeginn zu wenig betrachtet wird und keine Klarheit und Verantwortung der temporären Rollen und  Reportinglinie gegeben ist. Die unterschiedlichen Stärken der Teammitglieder sind auch sehr wichtig um eine Disbalance zu vermeiden.
Die 6 Denkhüte von Edward de Bono zeigen schon die Wichtigkeit eines erfolgreichen Outputs: 1. Analytiker: Tatsachen & Anforderungen; 2. Emotionale: Gefühle & Meinungen; 3. Kritiker; Risken & Probleme; 4. Optimist: Best case szenario; 5. Kreative: neue Ideen; 6: Ordnende: Überblick & Big Picture. 

Ein Projekt ist ein in sich geschlossener Kreislauf der im Kleinen und im Großen als Ganzes funktionieren muss. Auch Externe die einem Projekt zuarbeiten sind für die Zeitleiste des Projektes als ein Teil des Teams zu sehen. Dies ist auch als solches zu kommunizieren. Die Identifizierung und das Komitment zum Ganzen und für das Detail ist zu jedem Zeitpunkt sicherzustellen und pro Phase fließend zu gewährleisten. Wie heißt es so schön: “The Devil is in the detail!“

Kannst Du uns eine leichte Übung mitgeben, mit der man die eigene Führungskompetenz stärken kann und damit wachsen?

Beantworten Sie sich selbst folgende 10 Fragen:

Was können Sie niemals erreichen und warum?



Was macht Sie als Mensch besonders?

Was macht eine Sache für Sie erfolgreich?

Woran halten Sie fest um darüber klagen zu können?

Was unterscheidet Eigenlob von Werbung?

Was schätzen die Mitarbeiter an Ihnen?

Woran erkennen Sie, dass Ihre Kraft nachlässt?

Was dürfte an Ihnen niemals kritisiert werden und warum?

Wem möchten Sie unbedingt etwas beweisen?

Wie kommunizieren Sie Ihre Grenzen?

Nina Wiesinger treffen Sie persönlich bei der Konferenz Hotel Optimal am 18. Oktober 2016. Mehr Infos unter www.ghezzo.at

Mehr Infos zur Person: www.denkmallaut.at

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